Bezirkegruene.at
Navigation:
am 29. April 2017

Klamottenkunst

Eva Bauer - Ottakringer Wirtschaft für die Zukunft: Nachhaltigkeit lohnt sich

Esther Weinberger macht seit 2011 Upcycling in ihrem Nähcafé und Workshop-Atelier Klamottenkunst in der Ottakringer Strasse 63.

​(https://www.klamottenkunst.at)

Wir haben sie gefragt, was sie anbietet, warum sie gerade in Ottaking arbeitet und was ihr an ihrer Arbeit wichtig ist. 

Das Gespräch führten die Bezirksrätinnen Daniela Simon und Eva Bauer (Grüne Ottakring).

Esther, wie ist die Idee zu Klamottenkunst entstanden?

Esther: Bis ich 50 war habe ich im Sozialbereich gearbeitet. Dann habe ich gesagt, entweder fange ich noch was Neues an, oder ich bleib hier bis zur Pension! Letzteres wollte ich nicht, daher habe ich gedacht: Ich riskier‘s einfach. Das Nähcafé ist recht gut angenommen worden und ich habe gemerkt, dass mir das total viel Spaß macht und habe angefangen, Workshops für Schulen und Upcycling Workshops anzubieten.

Was kann man im Nähcafé alles tun?

Esther: Einmal im Monat gibt es über wienXtra-kinderaktiv einen Workshop am Wochenende. Manchmal ist der für die kleineren Kinder, manchmal für die Familien mit kleineren Kindern oder für Schulkinder. Für die kinderaktiv-Workshops habe ich jeden Monat ein anderes Thema zum Beispiel Räuber_innenhut, oder Sockenmonster. Zu Ostern waren es Hasen mit dickem Bauch: Da haben wir aus leeren Waschmittelflaschen einen Hasen gemacht, der mit Süßigkeiten gefüllt werden konnte. Oder Sorgenpüppchen: Die werden aus Draht gemacht und man kann sie anziehen und ihnen am Abend Kummer und Sorge erzählen. Dann steckt sie in einen kleinen Beutel, legt sie untern Kopfpolster und in der Früh sind alle Sorgen weg.

Es ist aber immer Upcycling, also immer mit Resten, das ist mir wichtig. Die Upcycling- und Nähworkshops sind ohne Thema, weil ich möchte, dass die Kinder sehr frei arbeiten. Da können sie nach ihren eigenen Ideen was nähen. Und dann gibt es seit März noch den Nähmaschinen-Führerschein. Der beinhaltet dreimal zweiStunden. Da geht es mir darum die Nähmaschine auch wirklich zu verstehen, also nicht auswendig zu lernen wie fädle ich meine Nähmaschine ein, sondern warum muss der Faden so oder so laufen, oder wie funktioniert das Zusammenspielt zwischen Ober- und Unterfaden. Es ist mir wichtig, dass man die Nähmaschine versteht. Nebenbei werden jedes Mal kleine Nähobjekte fertiggemacht, wie eine Schürze, ein Aufbewahrungsbeutel oder ein Schüttelpennal. Das sind die einzigen Workshops, wo ich wirklich genau vorgebe, was gemacht wird, sonst ist das immer frei.

Kinder und Erwachsene können also zu dir kommen, wenn sie etwas upcyclen wollen, Nähen lernen, oder einen Stoff oder ein Kleidungsstück haben, von dem sie sich nicht trennen wollen?

Esther: Genau. Manche kommen und nähen total selbstständig, haben auch zu Hause eine eigene Nähmaschine und brauchen eigentlich keine Hilfe, aber sie finden es gemütlicher hier als allein zu Hause. Hier sind die Materialeien da, hier sind die Nähmaschinen da, man braucht nix her- und wegräumen. Manche können nicht nähen und brauchen eine Unterstützung. Manche kommen nur für eine halbe Stunde um etwas zu fragen, manche sind den ganzen Nachmittag da.

Warum Ottakring, was gefällt dir hier?

Esther: Ottakring gefällt mir, weil es sehr sehr divers und bunt ist. Hergekommen bin ich eigentlich durch Zufall durch das leerstehende Lokal. Ich wohne selbst in Floridsdorf.

Warum liegt dir das Thema Upcycling am Herzen?

Esther: Das hat zwei Gründe: Einerseits das Ökologische, weil wir mit den Ressourcen nicht weiter so umgehen können, da diese begrenzt sind. Zweitens, weil vieles das wir konsumieren auf Kosten anderer geht, also der soziale, gesellschaftspolitische Aspekt. Außerdem machts Spaß und ich möchte das gern weitervermitteln, weil es lustvoll ist.

Es fördert die Kreativität, weil es ein Riesenunterschied ist, ob ich Materialien geb, die fertig sind, wodurch jedes Produkt gleich aussieht, oder ob ich den Kindern Restprodukte geb', wo jedes anders ausschaut und wo es gar nicht möglich ist, gleiche Sachen herzustellen. Das macht auch flexibler, denn ich muss mir was einfallen lassen, wie ich zu dem Ergebnis komm. Das kann manchmal ein bisschen komplizierter sein. Im Textil-Upcycling habe ich Teile drin, wo ich mir dann überleg, diese Naht schaut ja schön aus, die möchte ich hervorheben.

Wie gehen Kinder mit Upcycling um?

Esther: Das ist natürlich ganz unterschiedlich. Je jünger die Kinder, desto natürlich gehen sie damit um. Die kleinen Kinder, die finden ja sowieso immer alles zu schade zum Wegwerfen. Das ist total ihres und die haben da sehr viel Phantasie. Auch wenn ich ein Thema vorgebe, die Fülle der Materialien, die ich hier habe, regt die Phantasie der Kinder an und ihnen fällt immer was ein.

Ich habe mit einer Schulklasse auch schon Kostüme für ein Theaterstück gemacht. Da nehmen wir dann Verpackungsmaterial, zum Beispiel leere Gartenerdesäcke, und für die Kulissen alte Obstkissen oder Kartons. Ganz nett ist es, wenn sich die SchülerInnen das Theaterstück dann noch selbst ausdenken. Für die Kinder ist das ja auch ein toller Anreiz, fürs Lesen zum Beispiel, nicht nur ein Theaterstück auf die Bühne bringen, sondern es auch selber schreiben. Man will vielleicht nicht lesen, wenn kein Anreiz da ist, aber wenn ich weiß wofür dann schon.

Was ist dir am wichtigsten?

Esther: Wichtig ist mir, dass ich mit meiner Begeisterung andere anstecken kann.

Esther, wir danken dir für das Gespräch.

Tipp: Wer Stoffreste und andere Restprodukte hat, bitte in die Material-Koje in der Ottakringer Straße 18, 1160 bringen (Öffnungszeiten: https://www.recyclingkosmos.at/material-koje).

INFOBOX

Klamottenkunst

Nähcafé und Workshop Atelier Ottakringer Straße 63, 1160 Wien, Eingang durch AfB (Ecklokal); +43 650 974 99 59, kontakt@klamottenkunst.at

Die Workshops kann man auf der Website des Ferienspiels, sowie über WienXtra finden.

Weiter gibt es in den Sommer-Ferien eine Workshop Woche für Kinder, sowie Workshop Wochen für Werklehrer_innen.