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am 6. Februar

mano design

Eva Bauer - Ottakringer Wirtschaft für die Zukunft: Nachhaltigkeit lohnt sich

Wir sind heute in der Keramik-Werkstätte von mano design (www.manodesign.at) in der Grundsteingasse 36/1-3 in Ottakring bei unserem Interview mit Hedwig Rotter.

LIEBE HEDWIG, WAS HAT DICH NACH OTTAKRING GEBRACHT?

Ich hatte viele verschiedene Werkstätten, ich war eine Zeit lang im Gewerbehof in der Mollardgasse, dann hatte ich ein kleines Atelier in der Matrosengasse, dann im 8. Bezirk und 2002 bin ich nach Ottakring gezogen. Und seit damals lebe ich auch hier und bin begeisterte Ottakringerin [lacht].


 


Hedwig Rotter, mano design
ALSO BIST DU BEWUSST NACH OTTAKRING GEZOGEN?

​​​Das war damals die Zeit von Soho in Ottakring, wo ich immer wieder diese Veranstaltung besucht habe und ein Objekt hat mich besonders fasziniert:  der Ragnerhof mit seinen tollen Räumlichkeiten und dem begrünten Innenhof. Dann habe ich immer wieder geschaut, ob etwas frei wird. Der Ragnerhof ist es dann nicht geworden, sondern die Grundsteingasse 36, wo es glücklicherweise auch noch Wohnraum im selben Haus gab, da habe ich natürlich sofort zugeschlagen. Dann kam auch noch dazu, dass es hier viele Künstlerateliers gibt. Auch einige meiner Kollegen aus Studienzeiten auf der Angewandten sind in der Gasse vertreten, z.B. die Masc Foundation (www.masc.at). Dieses künstlerische Umfeld hat mich angezogen.

WAS IST DIE MASC FOUNDATION?


​​Die Masc Foundation ist eine benachbarte Galerie, die mehrmals im Jahr Ausstellungen organisiert mit schon bekannten aber vor allem mit jungen KünstlerInnen und die auch die Kunsttankstelle Ottakring (www.kunsttankstelleottakring.at) betreibt. Wir haben auch einen Verein gegründet, den Verein Grundstein (www.grundstein.at) - da sind wir circa 15 Ateliers, die zweimal im Jahr, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst, gemeinsam eine Ausstellung machen.

WO WÜRDEST DU SAGEN IST DEIN SCHWERPUNKT? WAS IST DIR WICHTIG BEI DEINEM SCHAFFEN?

Seit meinem Studienabschluß auf der Universität für angewandte Kunst in der Meisterklasse für Keramik arbeite ich nur mit Porzellan; das ist einfach das Material das mich am meisten fasziniert. Bei meinen Arbeiten ist mir wichtig, dass sie auch in Verwendung sind, dass sie in den täglichen Gebrauch einfließen, dass sie benutzt werden. Ich habe eine sehr reduzierte Formensprache bei meinen Arbeiten. Klare, aufs wesentliche konzentrierte Formen ohne Schnickschnack. Sehr wichtig ist mir die Haptik der Produkte, wie sie sich anfühlen im Gebrauch.

WÜRDEST DU SAGEN DEIN DESIGNMERKMAL IST SCHLICHTHEIT?

Ja, eine gewisse Schlichtheit. Manche definieren sich durch ein gewisses Merkmal, in der Malerei sieht man das gut. Einen Attersee zum Beispiel erkennt man sofort an seiner bestimmten Typologie.

Ich arbeite immer sehr themenbezogen in den verschiedenen Bereichen, mit denen ich mich auseinandersetze. Zum Beispiel habe ich eine Kollektion, bei der ich mich mit Abflussrohren beschäftigt habe; eigentlich weil ich diese Teile sehr häufig in der Hand habe, da mein Abfluss sehr häufig verstopft ist [lacht]. Daraus sind Vasen und Kerzenständer entstanden. Dann gibt es ganz andere Designs, wie die Serie dots, die Schalen mit Löchern. Da ging es mir darum, die Grenzen auszuloten, zu schauen, wie weit ich gehen kann, was das Material noch aushält. Als Kontrast dazu gibt es die Schale, die da im Regal daneben steht, die schaut aus, als wäre sie aus Porzellan, sie ist aber weich und aus einem thermoplastischen Material. Da ging es mir um die Irritation; du hast ja auch geglaubt, dass sie aus Porzellan ist.

WIE OFT MACHST DU EINE NEUE KOLLEKTION?

​Ich entwerfe einmal im Jahr eine neue Kollektion. Ich mache meinen Beruf mit einer großen Leidenschaft und Liebe, aber es gibt schon so wahnsinnig viel, da frage ich mich dann eben auch, braucht es jetzt noch ein neues Häferl? Es ist schon immer ein innerer Kampf, aber wenn sie dann fertig ist, bin ich doch froh, sie gemacht zu haben. Die Bestätigung kommt vor allem von meinen Kunden, die die Details und die Verarbeitung schätzen.

WIE GEHST DU VOR, WENN DU ETWAS NEUES AUSPROBIERST?

Am Anfang ist die Idee, dann mache ich eine Skizze oder eine technische Zeichnung und dann ein Modell aus Gips. Ich habe auch schon mit 3D- Druck gearbeitet. Ich arbeite schon seit Jahren mit dem Wien Tourismus zusammen, und wir entwickeln jedes Jahr einen neuen, themenbezogenen Becher. Vor zwei Jahren haben wir ein Ananasmotiv aus den Wandverkleidungen in Schönbrunn genommen und diesen Ananasbecher 3D "gedruckt".  Mittlerweile ist die Technik weit fortgeschritten, es gibt Leute die machen nur noch 3D-Drucke. Mir ist das zu wenig. Ich möchte nie nur auf 3D-Druck umsteigen, da ich gerne mit meinen eigenen Händen arbeite und das geht dann natürlich verloren. Für den Modellbau und für sehr komplexe Formen würde ich es aber jederzeit einsetzen.

Sehr viele Ideen entstehen aber auch beim Experimentieren mit dem Material; es entwickeln sich neue Fertigungstechniken – man lernt eigentlich nie aus.

WAS WÜRDEST DU SAGEN GEHT BEIM 3D-DRUCK VERLOREN, WAS GEWINNT MAN?

Mit dem 3D-Drucker kann man technisch alles machen, da gibt es keine Grenzen. Man kann mittlerweile ganze Gebäude drucken. Mir geht es aber um das Haptische, ich möchte das Material noch angreifen und spüren. 

KANNST DU ETWAS ÜBER DAS MATERIAL PORZELLAN SAGEN?

Der Überbegriff ist Keramik, und da unterscheidet man zwischen Porzellan, Steinzeug und Steingut. Der jeweilige Unterschied besteht in der Zusammensetzung und in der Brenntemperatur. Porzellan ist eines der härtesten Materialien, es besteht aus Kaolin, Feldspat und Quarz. Vor ein paar Jahren habe ich auch mit Bone China Porzellan angefangen, das ist für mich die Königsklasse, weil es in der Verarbeitung etwas schwieriger ist. Bone China enthält zusätzlich Knochenasche und hat dadurch einen sehr hohen Calciumanteil, was dieses Porzellan besonders hart und transparent macht. Die Lampen und die neue Kollektion „Twotone“ sind aus diesem Material, das aufgrund seiner Zusammensetzung sehr dünn verarbeitet werden kann und im Falle der Lampen sehr transluzent wirkt.

DU HAST HIER JA NICHT NUR EINEN AUSSTELLUNGSRAUM, SONDERN AUCH DEINE WERKSTÄTTE, WO DU DAS PORZELLAN VERARBEITEST UND BRENNST ... WAS PASSIERT BEIM UND ZWISCHEN DEM BRENNEN?

Also am Anfang mache ich einen Prototypen und von diesem fertige ich Gussformen aus Gips an. Diese Gussformen kann ich mehrmals verwenden. Die Stücke werden dann gegossen, entformt und einen Tag lang getrocknet. Danach werden die Gussnähte und die Ränder retuschiert und bei 960 Grad erfolgt dann der Rohbrand. Nach diesem Brand werden die Stücke nochmals geschliffen und dann glasiert. Die Glasur kann transparent oder farbig sein. Der Scherben (unglasiertes Porzellan) ist dann noch nicht dicht, er ist noch saugfähig. Der Glasurbrand erfolgt dann bei 1260 Grad. Bei diesem Brand schwinden die Produkte auch um ca. 14%, das Porzellan sintert. Bei den Lampen z.B. verwende ich für die Farbgebung eine spezielle Technik – da arbeite ich unter anderem mit Textilien und Netzstrümpfen, die ich über die Leuchtkörper ziehe und dann die Glasur aufspritze; es entstehen dadurch sehr schöne, dreidimensionale Muster. Das Bone China ist sehr heikel beim Brennen und hat einen anderen Brennprozess als das normale Porzellan, aber das ist jetzt zu komplex. Beim Hochbrand passieren leider auch die meisten „Unfälle“. Ganz zum Schluss kommt dann noch ein Dekorbrand bei 800 Grad.

WIE LANGE DAUERT DAS ALLES?

So ein Zyklus dauert circa zwei Wochen. Ein Brand dauert circa 8 bis 10 Stunden, das Abkühlen der Öfen länger, manchmal bis zu eineinhalb Tagen, das hängt davon ab was man brennt.

DAS HEISST, PORZELLAN BLEIBT IM OFEN, BIS DIESER WIEDER ABGEKÜHLT IST

Genau, die Temperatur muss bis unter 100 Grad absinken, sonst springt das Material. 

UND WAS MACHST DU MIT DEM MATERIAL, DAS BEI DER PRODUKTION ABFÄLLT? KANN MAN DAS WIEDERVERWERTEN?

Das Material, das ich nach dem Gießen abschneide, wird wieder verarbeitet. Es wird getrocknet und wiederaufbereitet. Das ist ein sehr nachhaltiger Prozess. Manchmal passiert es aber, dass manche Stücke beim Brennen kaputt werden oder sich sehr stark verziehen. Die sammle ich schon seit Jahren. Ich versuche einen Weg zu finden, wie ich das Material zerkleinern und wieder weiterverarbeiten kann. Letztendlich müsste es wohl eine Steinmühlfirma sein oder eine Maschine aus dem Straßenbau, die das harte Material wieder zermahlen kann. 

WAS GEFÄLLT DIR AN OTTAKRING?

In Ottakring ist man sehr nah an den Leuten dran, ich habe da schon sehr viel Unterstützung erfahren; wenn ich zum Beispiel einen Hubstapler brauche wird mir sofort geholfen; die Kommunikation ist sehr gut im Bezirk. Ottakring hat Dorfcharakter, jeder kennt jeden. Es gibt Orte, wo man sich immer wieder trifft wie in einem Dorf - das ist eigentlich das Schöne daran. Das einzige was mir jetzt einfällt, das betrifft nicht nur Ottakring, sondern die ganze Stadt: „kauft local. Man sieht überall, wie die Geschäfte sterben, die Erdgeschosszone stirbt aus. Da müsste halt die Stadt aktiver werden, da könnte man noch mehr tun. Es gibt da zwar schon einige Initiativen, aber es müsste da noch mehr passieren.

 

KANNST DU VON DEINER ARBEIT LEBEN?

Ja, ich lebe von meiner Arbeit als freischaffende Künstlerin. Ich habe mir im Laufe der Jahre einen Namen gemacht und habe mittlerweile viele treue Stammkunden und Sammler, die extra nach Ottakring kommen. Es ist öffentlich auch sehr gut zu erreichen. Mit dem Auto ist es halt etwas schwieriger, weil es da immer zugeparkt ist.

Die Grundsteingasse ist natürlich keine Einkaufsstraße für den Alltag, so wie im 7. Bezirk, wo es viele Geschäft gibt, sondern mehr ein Künstlerviertel. In der Gasse gibt es nur noch die Kontiki. Die Galerien haben ja keinen laufenden Betrieb. Es würde natürlich helfen, wenn es noch mehr Gassengeschäfte gäbe.

 

KANN MAN DIR AUCH BEI DER ARBEIT ZUSCHAUEN?

Man kann mir bei der Arbeit in der Werkstatt auch zuschauen. Das ist mir auch sehr wichtig, dass die Leute die einzelnen Arbeitsschritte mitbekommen. Ich erkläre sie auch gerne. Die meisten sind auch sehr erstaunt, wie aufwendig die Produktion ist.

 

KANN MAN BEI DIR AUCH PORZELLAN MACHEN?

Man kann bei mir keine Porzellanprodukte machen, aber zu Weihnachten biete ich Workshops an, bei denen man bereits vorgefertigte Keramik mit Siebdrucken gestalten kann. Ich habe da schon einen sehr großen Fundus, und es ist für jeden was dabei. Das kommt wahnsinnig gut an, manche machen hier ihre ganzen Weihnachtsgeschenke und viele TeilnehmerInnen kommen immer wieder.

LIEBE HEDWIG, WIR DANKEN DIR GANZ HERZLICH FÜR DAS INTERESSANTE GESPRÄCH!

 

Das Interview wurde von Daniela Simon und Eva Bauer geführt.