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am 19. März

Nachhaltige MAM Babyartikel Welt-Marke aus Ottakring

Eva Bauer - Mehr als 70 Mio. verkaufte Babyartikel weltweit, 930 MitarbeiterInnen, 144 Prozent Umsatzwachstum in den letzten zehn Jahren. Mit diesen beeindruckenden Zahlen kann sich die Ottakringer Firma MAM zu den Marktführern bei Babyschnuller und -fläschchen rechnen.

Doch genauso beeindruckend sind die Zahlen, wenn es um Nachhaltigkeit für Umwelt und Soziales geht: 85 Prozent der Materialien stammen aus Österreich, 1.000 Tonnen CO2 werden jährlich im thailändischen Werk eingespart und 85 Prozent an CO2 und Energie lassen sich bei der Sterilisierung von Babyprodukten einsparen.

Wir befragten Hannes Thaler, Director Corporate SocialResponsibility bei MAM, was ihn antreibt und das Unternehmen antreibt, den Nachaltigkeitsgedanken zu leben.

Wie hat alles begonnen?

Was vor 40 Jahren als Idee des Kunststofftechnikers und damaligen Jungpapas Peter Röhrig begann, ist heute ein internationales Unternehmen mit Sitz in der Lorenz-Mandl-Gasse in Ottakring. 1976 hat Röhrig erstmals einen Schnuller kreiert, der Funktionalität und Ästhetik vereint. Seither wurde das Produktportfolio stetig erweitert und steht für Qualität, Innovation und Design. Mittlerweile sind wir beispielsweise in mehreren Ländern zum Marktführer in Sachen Schnuller avanciert – nicht nur in Österreich, sondern u.a. auch in den USA, Großbritannien und Schweden. Außerdem haben wir einige Revolutionen am Babyartikelmarkt entwickelt, u.a. der kiefergerechte MAM Perfect, der das Risiko auf Zahnfehlstellungen mindert oder die MAM Easy Start Anti-Colic, die nachweislich schmerzhafte Baby-Koliken reduziert.

Wie viele MitarbeiterInnen haben Sie hier in OTK? Wie viele insgesamt?

In unserem Marketing und Design-Zentrum in Wien beschäftigen wir etwa 60 Personen, weltweit an die 1.000.

Warum ist Ihre Firma als weltweit tätiger Konzern in Ottakring ansässig?

Wir sind zwar weltweit tätig, haben jedoch als Familienunternehmen unsere Wurzeln nie verloren. Wir fühlen uns wohl in Ottakring, sind zufrieden mit der öffentlichen Anbindung und unser Büro deckt unsere Bedürfnisse sehr gut ab. Und Herr Röhrig wohnt auch in Ottakring (lacht)

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?Wie schaut Ihre auf Langfristigkeit und Stabilität ausgelegte nachhaltige Wachstumsstrategiekonkret aus und wie lässt sich diese mit ökonomischen Zielen vereinen?

Wir stehen zu unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt. Und wir stehen auch dazu, dass wir ein Wirtschaftsunternehmen sind und keine Non-Profit-Organisation. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für uns, stets so profitabel zu sein, dass wir unseren MitarbeiterInnen, Produktions- und VertriebspartnerInnen sichere Arbeitsplätze bieten, dass wir unserer ExpertInnen-Community auch weiterhin Forschungsunterstützung geben und dass wir unserem Entwicklungsteam alle benötigten Mittel für Innovationen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, einer Gesellschaft, der das Wohl von Babys wichtig ist, sowohl mit den richtigen Produkten und mit Wissen, als auch mit ökologischer und sozialer Umsicht zur Seite stehen zu können.

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde MAM 2016 im Rahmen des Öko Business Plans Wien als Ökoprofit-Unternehmen prämiert. Welche Maßnahmen haben Sie dafür umgesetzt?

Wir achten sehr genau darauf, dass wir als Unternehmen einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. In Ottakring gehen wir bereits seit geraumer Zeit in Richtung CO2-neutraler Standort. Die Heizung kommt von der Fernwärme, wir beziehen 100 Prozent Ökostrom, wir lassen all unsere Dienstflüge und -fahrten kompensieren und unterstützen dabei österreichische Klimaprojekte. Dabei hat uns das Programm Ökoprofit sehr geholfen.

Sie setzen auf schonenden Umgang von Material-, Energie- und Wasserressourcen. Wie schätzen Sie dahingehend die Zukunft Ihres Unternehmens und auch allgemein ein?

Die Wichtigkeit dieses Bereiches wird auch in den nächsten Jahren stark steigen – nicht zuletzt aufgrund des Bevölkerungswachstums und der Verknappung der Ressourcen. Hier helfen uns die Ziele der nachhaltigen Entwicklung der UNO, die so genannten Sustainable Development Goals, die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen. Unser gesamtes Nachhaltigkeitsprogramm ist darauf ausgelegt. Und wir wollen ja, dass auch in hundert Jahren noch Babys auf die Welt kommen, die unsere Produkte gut finden. Somit müssen wir a priori schonend mit den Ressourcen umgehen.

Sie produzieren auch in Thailand und Ungarn und achten laut Ihrer Website auf energieeffiziente Gebäudetechnik, damit der CO2-Fußabdruck so klein wie möglich ist. Worauf haben Sie beim Bau geachtet?

Energieeffizienz ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Umweltpolitik. Darauf legen wir auch in unseren Werken im ungarischen Vaskeresztes sowie in Kabin Buri nordöstlich von Bangkok großen Wert. Das Werk in Ungarn hat in den 26 Jahren seines Bestehens das Vierzigfache an Fläche zugenommen – umso wichtiger ist es, laufend in das clevere Haushalten mit Energie zu investieren. Unser Werk in Thailand ist hochmodern. Bereits bei der Planung wurde darauf geachtet, den kleinstmöglichen CO2-Abdruck zu hinterlassen. In Bezug auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien liegen wir dort sogar über dem europäischen Standard, der u.a. durch die genaueste Planung von Transportwegen, der Kühlung und der Solaranlage sichergestellt wird. Aufgrund dieser Maßnahmen sparen wir rund 1.000 Tonnen CO2 jährlich ein bzw. rund 1,7 GWh Strom. Das entspricht in etwa den Strom-Jahresbedarf von 120 Wiener Haushalten.

Wie leben die MitarbeiterInnen in diesen Ländern den Gedanken der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes?

Unser unternehmensinterner Verhaltenskodex gilt für alle MitarbeiterInnen weltweit gleichermaßen. Da machen wir keine Ausnahmen und Unterschiede. Diesbezüglich gefällt mir an unserem Werk in Thailand besonders gut, dass einige der KautschukbauerInnen, also die RohstofflieferantInnen, rund um die Fabrik auch bei uns an der Fertigungslinie arbeiten und so auch das Endprodukt sehen und erleben. Viele KakaobauerInnen wissen zum Beispiel nicht, wie Schokolade schmeckt – das ist bei unseren Produkten anders. Das hilft sehr, ein nachhaltiges Gedankengut aufzubauen.

Für Ihre Babyschnuller und -flaschen verwenden Sie keine Öko-Kunststoffe (also wiederverwertete oder biogene Kunststoffe). Warum?

Derzeit verwenden wir keine biogenen Kunststoffe, also Kunststoffe aus natürlichen Rohstoffen. Diese sind noch nicht ausreichend hitzebeständig oder bruchfest, um unsere hohen Sicherheits- und Hygienestandards zu erfüllen. Wir sind natürlichen Alternativen gegenüber sehr offen. So sind wir seit 2008 an einem internationalen Forschungsprojekt zur Verbesserung der Eigenschaften biogener Kunststoffe beteiligt. Recycling-Kunststoffe kommen bei uns nicht zum Einsatz, da keine sortenreinen Rezyklate verfügbar sind: Man weiß nicht, welche unterschiedlichen Materialien wiederverwertet wurden, woraus diese bestanden und wie sauber sie waren. Deshalb kann man nicht gewährleisten, dass der recycelte Kunststoff gesundheitlich unbedenklich ist – und das ist für die Herstellung unserer Babyprodukte absolut unabdingbar.

Auf Ihrer (übrigens sehr informativen) Website haben wir vom Upcycling Ihrer Babyschnuller gelesen. Wie viele fallen jährlich an? Was machen Sie damit? Werden sie gesammelt und zu neuen MAM-Produkten verwertet? Was kann man damit machen?

In Österreich werden 97 Prozent der Kunststoffabfälle rezykliert. Da waren wir bereits in den 90er Jahren federführend beteiligt, die Altstoff Recycling Austria (ARA) zu etablieren.

MAM lebt auch Nachhaltigkeit im sozialen Sinn: Sie unterstützen u.a. das Hebammenzentrum und im Jahr 2015 Flüchtlinge.

Uns ist es wichtig, dass wir der Gesellschaft etwas zurückgeben. Finanzielle Hilfe ist sicher gut, jedoch freue ich mich immer wieder zu sehen, wie stark sich unsere MitarbeiterInnen mit Zeitspenden engagieren. Über Freiwilligenarbeit kommen die Menschen zusammen.

Ihre Nachhaltigkeitsvision für die nächsten zehn Jahre?

Unsere Leidenschaft ist es bereits seit 40 Jahren, die Bedürfnisse der Babys und deren Eltern zu verstehen und darauf Antworten zu finden, damit sie sich auf ihr Familienglück konzentrieren können. Diese Leidenschaft wird uns auch in das nächste Jahrzehnt führen. [lacht]

Haben Sie Wünsche oder Anregungen an die Bezirkspolitik?

Ja, da gäbe es etwas: Wir nehmen bereits seit 3 Jahren an der tollen Aktion der Stadt Wien „Radelt zur Arbeit“ teil. Immerhin waren es 5.000 km, die MAM Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter letztes Jahr zur Arbeit geradelt sind. Ein Fahrradständer vor unserem Büro fehlt uns noch! 

Vielen Dank für das Interview!

MAM Babyflasche