Bezirkegruene.at
Navigation:
am 15. September 2017

Ottakringer Wirtschaft für die Zukunft: Imker Rudi Pfeifer

- Der gelernte Bäcker und Konditor Rudolf Pfeifer fand vor vielen Jahren seinen Traumberuf bei der Polizei, den er nach zwölfjähriger Tätigkeit bei der Sondereinheit WEGA seit nunmehr zwölf Jahren bei der Sondereinheit Cobra verrichtet. Seine Berufung aber fand er vor wenigen Jahren bei seinen Bienen.

Rudolf, wie bist du zu dieser Leidenschaft, der Imkerei, gekommen?

Meine Nachbarin hatte einen Enkel, den Poldi Jindra. Der hat mir vor vier, fünf Jahren immer von seinen Bienen erzählt. Er hatte auch den Bienenstand in Ottakring, wo ich jetzt mit meinen Bienen stehe, in der Kleingartenanlage Waidäcker. Ich habe ihm ab und zu begeistert zugeschaut, wie er bei den Bienen gearbeitet hat, und irgendwann ist die obligatorische Frage gekommen: „Wär das was für dich?“

Ich habe dann den Imker-Kurs in der Imker-Schule gemacht, 30 Doppelstunden in zwei Monaten. Poldi hat mir dann zwei Völker geschenkt. Im ersten Winter die Ernüchterung: Beide Völker waren tot. Ich habe dann viel recherchiert und bin dann draufgekommen, dass nicht alles ganz konform gelaufen ist bei der Winterbetreuung der Bienen. Im Frühjahr habe ich wieder drei Völker gekauft und habe selbstständig begonnen zu imkern. Mittlerweile besitze ich fast 20 Völker auf zwei Standorten und es entwickelt sich ganz gut. Nächstes Jahr gehe ich schon in die fünfte Saison.

 

Wie viel Honig bekommt man aus den 20 Völkern pro Jahr?

Das kann man so schwer sagen. Ich habe einige Jungvölker dabei, die im ersten Jahr noch keinen Honig geben. Erst im zweiten Jahr werden sie Wirtschaftsvölker, die Honig produzieren. Wir haben in Wien im Vergleich zu den Bundesländern einen sehr großen Vorteil: Wien hat aufgrund des Prachtangebotes an Pflanzen einen doch relativ hohen Ertrag. Wir haben in Wien zwischen 30 und 60 Kilo Ertrag pro Volk.

 

Wie oft kann man Honig entnehmen?

Das kommt auch drauf an, grundsätzlich startet man im Frühjahr, im März/April. Dann geht es Schlag auf Schlag: Die Bienen vermehren sich rasch und expandieren aufs Dreifache, ein großes Volk fasst um die 70.000 Bienen. Wenn man es schafft, dass das Volk nicht schwärmt und die Bienen im Stock bleiben, kann man Mitte/Ende Mai das erste Mal schleudern, einmal im Juni und Ende Juli ist dann das Abschleudern. Also zwei bis dreimal pro Jahr. Aber der Ertrag ist je nach Lage verschieden.

 

Warum der Standort Ottakring?

Meine Bienen stehen in der Kleingartenanlage Waidäcker, an einem Standort, den es schon dreißig Jahre gibt. Ich wohne ja auch hundert Meter daneben – der perfekte Platz. Ich habe mittlerweile auch einen zweiten Standort, in der Nähe von der Jubiläumswarte, am Kordon. Das Interessante an diesem Standort ist, dass er am Berg ist und viel Wald daneben – der Honig schmeckt ganz anders, als herunten. Oben ist teilweise Waldhonig dabei, er ist dunkler und etwas herber als hier, wo sehr viel Linde, Kastanie und die Blüten der Kleingartenanlage sind.

Was viele Leute nicht wissen: Waldhonig entsteht nicht aus Nektar von Blüten, sondern die Bienen fliegen in den Wald und melken die Blattläuse, die auf den Bäumen sitzen. Die Blattläuse sondern ein Sekret ab, das dann eingetragen und zu Honig umgewandelt wird. Reiner Waldhonig wie in Kärnten oder in der südlichen Steiermark ist ganz dunkel, weil er fast ausschließlich aus dem Tau der Blattläuse besteht.

 

Inwiefern siehst du deine Leidenschaft als Beitrag zu einem nachhaltigen Ottakring?

Ich beschäftige mich sehr mit Ernährung, baue auch hier in der Kleingartenanlage viel Gemüse selber an. Das Thema Ernährung und gesunde Lebensweise verfolgt mich immer schon. Das Thema Nachhaltigkeit ist für mich immer mehr Thema geworden, weil mir aufgefallen ist, dass in der Kleingartenanlage immer weniger Bienen da waren. Wenn ich mir vorstelle, meine Bienen aus der gesamten Anlage wegzunehmen, würde sich einiges im Kleingarten verändern: Jeder Baum braucht Bienen zum Bestäuben. Die Biene fliegt immer nur zu einer Pflanze, also zum Beispiel nur zu Kirschenbäumen. So funktioniert die Bestäubung.

Ich sehe das als Engagement für die Natur, für die Umwelt. Es macht mir Spaß, dass ich etwas beitragen kann zur Aufrechterhaltung einer guten Bienenpopulation und der Artenvielfalt in der Kleingartenanlage. Bei uns in der Nähe ist ja der Ottakringer Friedhof: 30, 40 große Linden, ein Traum für die Bienen. Wenn die Linde blüht ist es immens: Der ganze Baum surrt und lebt. Das muss man sich einmal anschauen.

 

Hast du vor, deinen Betrieb weiter wachsen zu lassen?

Wenn ich dann 20 Wirtschaftsvölker haben sollte, habe ich so 800, 900 Kilo Honig – das reicht. Wachsen werde ich nicht mehr. Wenn man hauptberuflich arbeitet mit Überstunden, ist man dann irgendwann arbeitstechnisch am Limit.

 

Trägt dein Honig ein Bio-Zertifikat?

Derzeit noch nicht, aber für nächstes Jahr ist es mein Plan, mich Bio-Zertifizieren zu lassen. Ich kaufe selber meine Lebensmittel, wenn es möglich ist, in Bio-Qualität ein, und da möchte ich meinen Honig auch in Bio-Qualität weitergeben, das ist mir wichtig. Für mich als Kleinimker ist es doch eine finanzielle Belastung, weil doch mehrere Dinge neu angeschafft werden müssen: Eine Nirosta-Schleuder, ein Nirosta-Behälter, Bio-Wachs usw. Ich hoffe doch, dass es sich im Laufe der Zeit refinanziert.

Zum Thema Nachhaltigkeit noch: Ich habe heuer schon begonnen, meinen Imkerplatz etwas umzubauen und ihn kindergerecht zu machen. Ich habe heuer schon die ersten Kindergarten- und Volksschulgruppen durch meine Bienenvölker geführt. Den Kindern das Imkern nahebringen – das ist mein Ziel. Ich möchte den Kindern zeigen: Die Biene gibt’s nicht nur zum Stechen. Über Anfragen freue ich mich immer.

 

Imker Rudolf Pfeifer ist über www.myhoney.bio und my-honey@a1.net zu erreichen. Neben verschiedenen Arten von Honig (etwa auch Nougathonig!) vertreibt Rudolf Pfeifer zum Beispiel auch Propolis-Tropfen. Kindergruppen-Führungen werden nach Vereinbarung laufend angeboten.

Rudolf Pfeifer

Waidäckergasse 6/133

1160 Wien

Interview und Fotos: Stefan Jagsch